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Rezensionen zu: Wall Remnants - Wall Traces

Wall Remnants - Wall Traces
Datum: 7 September 2004

Rezension:
Klausmeier, Axel; Schmidt, Leo
Wall Remnants - Wall Traces.


(Rezension zur deutschen Ausgabe des Buches)
Reste und Spuren der Mauer

Schon heute fällt es schwer zu glauben, dass Berlin einst durch einen 42 Kilometer langen tödlichen Grenzstreifen geteilt war. Um die Spuren der Unglaublichkeit zu erhalten, gibt es jetzt eine umfassende Dokumentation.
Überraschend, selbst für alteingesessene Berliner, ist die Fülle der noch vorhandenen Überreste des Eisernen Vorhangs fast 15 Jahre nach dem Mauerfall. Mit nahezu archäologischer Akribie macht ein gestern vorgestellter Reiseführer erhaltene Spuren der Grenzanlagen sichtbar. Nicht nur die etwa ein Dutzend unter Denkmalschutz stehenden Mauerstücke werden gezeigt, sondern vor allem die eher unscheinbaren Zeugen der Grenzsicherungsanlagen, die heute ganz selbstverständlich in den Alltag einbezogen werden, oft ohne ihren ursprünglichen Zweck zu kennen: eine Schranke, die eine Kleingartenanlage zum ehemaligen Grenzstreifen begrenzt, ein alter Elektrokasten, der heute funktionslos in der Landschaft steht oder Blumenschalensperren, die wie friedliche Verkehrsberuhigungsmaßnahmen aussehen.
Hunderte dieser Zeugnisse haben die Kunsthistoriker Axel Klausmeier und Leo Schmidt in ihrem Führer "Mauerreste-Mauerspuren" aufgespürt und dem Grenzgänger als solche erkennbar gemacht. Jede noch so kleine Farbmarkierung an der Hauswand ist im Foto festgehalten und genau auf einer Karte eingezeichnet. Der Großteil ist östlich des ehemaligen Grenzstreifens erhalten geblieben, denn während die West-Berliner direkt auf die Mauer stießen, gelangten die Ost-Berliner schon wegen der vielfältigen Sicherungen im Vorfeld kaum in die Nähe des dort so genannten Schutzwalls.
Die im Auftrag der Berliner Senatsbauverwaltung erstellte Dokumentation führt aber auch den schleichenden Verlust der Spuren vor Augen. Einige in dem noch druckfrischen Buch aufgeführten Reste sind heute schon verschwunden. Eine rotweiße Barriere zwischen Ruppiner und Swinemünder Straße ist inzwischen einer Baustelle gewichen - wohl ohne dass der Bauherr um ihre Bedeutung wusste. Diesen ahnungslosen Umgang mit den Zeugnissen wird es mit Hilfe dieses Buchs wohl nicht mehr geben.


von Florentine Anders, Berliner Morgenpost 28.05.2004
http://www.berlinermorgenpost.de

 

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