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Rezensionen zu: St. Petri-Kirche

St. Petri-Kirche
Datum: 16 Juli 2008

Rezension:
Presse, Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins - Heft 3, 07/08

über St. Petri-Kirche
Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins - Heft 3, Juli 2008 von Martin Mende

Bis zum Abriss in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts war die filigrane eiserne Spitze der Petrikirchenruine beherrschender Mittelpunkt der Cöllner Altstadt von Berlin. Bereits die 1967 folgenden archäologischen Grabungen bestärkten die Ansicht, dass es sich hier in Cölln um keine slawische Ansiedlung handelte, weil nur christliche Bestattungsformen und fünf nacheinander aufgeführte Kirchenbauten nachweisbar waren. Bei Grabungen an der Berliner Nikolai-Kirche zehn Jahre zuvor hatte man gleichfalls nur christliche Bestattungen festgestellt.

Im Zuge der Umsetzung des „Planwerks Innenstadt" soll nunmehr das Areal zwischen Gertrauden- und Scharrenstrasse als Petri-Platz mit einer Randbebauung in historischer Kontur, aber zeitgemäßer Gestaltung neu entstehen. In Vorbereitung dazu werden seit dem Frühjahr 2007 an diesem Ursprungsort der mittelalterlichen Doppelstadt Berlin-Cölln weitere archäologische Grabungen unter der Leitung von Claudia M. Melisch durchgeführt.

Das vorliegende Buch - erschienen nach der Hälfte der geplanten Ausgrabungszeit - will auf die Notwendigkeit hinweisen, die raren Zeugnisse der ältesten Stadtgeschichte zu erhalten und auf Dauer sichtbar zu machen. Die Archäologin Melisch gewann als Co-Autorin die Ingenieurin und Bauhistorikerin Marina Wesner. Das Ergebnis ist ein handlicher Reiseführer durch die Cöllner Vergangenheit. Zunächst werden die Anfänge von Berlin und Cölln kurz beschrieben, dann der bisherige Forschungsstand und die bis Dezember 2007 vorgenommenen Grabungen erörtert. Das Grabungsteam macht nicht - wie sonst häufig üblich - Grabungsschnitte, sondern legt von oben nach unten Schicht um Schicht frei. Die lange Ausgrabungszeit ergibt sich aus den unzähligen Gräbern, erst 1717 wurde der Friedhof um die Petri-Kirche geschlossen. Man kann sich vorstellen, wenn jedes einzelne Grab fotografiert, vermessen, beschrieben und gezeichnet werden muss, welcher Einsatz dazu erforderlich ist. Das Ergebnis der dendrochronologischen Untersuchung eines aufgefundenen Holzbalkens - Fälldatum um 1192 - konnte im Buch noch nicht berücksichtigt werden. Einige Jahre zuvor war bereits auf dem Grundstück Breite Str. Ecke Mühlendamm eine Holzbohle geborgen worden, die aus einem 1171 gefällten Baum stammte. Die These der Entstehungszeit von Berlin und Colin im letzten Drittel des 12. Jhs. dürfte nicht mehr zu erschüttern sein.

Etwa zwei Drittel des Buches nimmt ein historischer Spaziergang zwischen Gertraudenbrücke, St. Petri-Kirche, Breite Str., Schloss, Brüderstraße und Friedrichsgracht ein. Die Autorinnen formulierten bewusst in einer auch für den Laien verständlichen Sprache, die wissenschaftliche Berichterstattung soll nach Abschluss der Ausgrabungsarbeiten im Herbst 2008 folgen. Die zur Zeit freigelegten mächtigen Fundamente der ehemaligen Lateinschule wurden inzwischen als Bodendenkmal unter Schutz gestellt und müssen bei einer Überbauung erhalten bleiben. Das lebhafte Presse-Echo nach der Herausgabe des Buches war im Sinne des Verlegers Wieland Giebel: „Unser Ziel ist es, Druck zu machen, damit man mit dem Fahrstuhl ins Mittelalter fahren kann, falls darüber ein Haus gebaut werden sollte.". In der Tat machen derartige „archäologische Fenster" die Stadtgeschichte konkret erlebbar.

Bei einer weiteren Auflage sollte der Stadtplan auf S. 117 geändert werden, das ehemalige Staatsratsgebäude liegt nicht am Werderschen Markt, der Neue Marstall nicht an der Rathausstraße. Sie haben die Adressen Schlossplatz 1 bzw. 7. Auf S. 88 lautet die Unterschrift zu einer Fotografie vage....„Bild aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg...“. Es handelt sich um eine Aufnahme unseres Mitgliedes F. Albert Schwartz aus dem Jahre 1885. Im übrigen umfasst der Alte Marstall heute die Grundstücke Breite Str. 36/37, nicht 32-37 (S. 90) und am Schlossplatz wurde um 1900 ein Marstall errichtet, nicht um 1700 (S. 91). Das 1691 fertig gestellte Marstallgebäude von Nering lag in der Dorotheenstadt auf dem Gelände der heutigen Staatsbibliothek.
Das übersichtlich gestaltete Buch enthält ein umfangreiches Literaturverzeichnis von 1730 bis 2007 und ein Personenverzeichnis. Hier wird Geschichte spannend vermittelt.

 

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