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Rezensionen zu: Neunundsechzig Jahre am Preußischen Hofe

Neunundsechzig Jahre am Preußischen Hofe
Datum: 12 Februar 2008

Rezension:
Mitteilungsblatt der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg e.V. - Mai 2005, von Peter Bahl

Buchtipp: Neunundsechzig Jahre am Preußischen Hofel

Knapp siebzig Jahre nach Erscheinen der 11. Auflage dieses einst viel gelesenen Selbstzeugnisses hat sich unser rühriges Mitglied Wieland Giebel, Inhaber der florierenden "Buchhandlung des Jahres 2004", der "Berlin Story" Unter den Linden, zu einem Nachdruck im eigenen Verlag entschlossen. Die Buchhandlung hat sich inzwischen zu einem Spezialisten nicht nur für Berlin-Literatur entwickelt und damit die Kiepert-Lücke geschlossen, sondern auch für alles, was zu den Hohenzollern auf dem Markt ist.

Die dort häufig gestellte Frage nach den Memoiren der Oberhofmeisterin der Königin Luise, der noch unter dem Soldatenkönig geborenen Gräfin Voß, hat den Ausschlag für den Reprint gegeben. Denn in der Tat handelt es sich um eine nach wie vor unverzichtbare Quelle aus dem unmittelbaren Umfeld des Königshauses, die über mehrere Regierungsepochen hinweg einen guten Einblick in die Geschehnisse am Hof bietet. Wer Selbstzeugnisse mit der gebotenen kritischen Sicht liest, wird durch eine Fülle hautnaher Schilderungen entlohnt.

Nach wie vor problematisch ist freilich die Editionsfrage. Die ersten neun unveränderten Auflagen von 1876 bis 1913 folgten der Vorlage - wenngleich unüberprüfbar auswählend - wohl immerhin noch relativ getreu, doch waren insbesondere die nicht tagebuchartigen Passagen stark mit verbindenden Texten gemischt. Nach dem Ende der Monarchie waren 1932 und 1935 noch eine 10. und 11. Auflage erschienen, die sich zwar beschönigend als "sachlich berichtigt und aus zeitgenössischen Quellen ergänzt" bezeichnen. Tatsächlich handelte es sich aber um stark umformulierte, geglättete und sogar in der Wortwahl modernisierte Texte, war "Unbedeutendes" laut Geleitwort nun "fortgefallen" und statt dessen eine Vielzahl von Textpassagen anderer Autoren eingestreut, so daß man nun erst recht nicht mehr von einer wirklichen Auswahl-Edition sprechen konnte. So muß man Giebels Entscheidung für einen Nachdruck der älteren Ausgabe begrüßen, auch wenn damit etwas sehr konsequent auch auf die Vorteile der jüngeren Ausgaben (kleinere sachliche Berichtigungskommentare und die Beigabe eines Personenregisters) verzichtet wurde. Die Giebel-Ausgabe unterscheidet sich von ihrer Vorlage aber vor allem durch die Umsetzung der Fraktur in die dem heutigen Publikum entsprechende Antiqua und durch eine hinzugefügte Zeittafel.

Verein für die Geschichte Berlins im Internet:
www.DieGeschichteBerlins.de

 

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